Episode 5: Chez Jeanette oder göttliche Worte, Hühnerknochen und eine Meute Hunde
„Sie kocht vorzüglich“, hatte der Abbé gesagt, „ihr werdet sehen. Aber vorher werde ich eine Messe für die Gemeinde lesen, kommt, wenn ihr wollt“. Dann hatte er sich umgewandt und einige Grussworte über die Schulter zurückgerufen und war die Strasse hinuntergeeilt, wo am Rand der Siedlung die Mission stand.
Um einen nebensächlichen Ton bemüht hatte Herr Pastiz Frau Motzle berechnend flüchtig zwischen der farbenfrohen Schilderung des schönen Teichs und derjenigen der aufregenden Begegnung mit dem Honigmädchen von der Einladung berichtet, in der Hoffnung, dass diese im bunten Potpurri der pastiz’schen Abenteuer unterginge und unbeachtet in den Papierkorb des weiblichen Erinnerungsvermögens fiele. Denn sie unerwähnt zu lassen, schloss er weniger aufgrund seiner Ehrlichkeit als vielmehr instinktiv aus, denn nähme der Abbé dazu Rücksprache, fiele diese Auslassung unweigerlich auf ihn zurück. Er flocht die vom Abbé anberaumte spätnachmittägliche Messe in einem grautönigen Zwischenbericht zwischen Wortmalereien, wie der Seifenschaum in zähen Flocken olivenschwarze Brustwarzen umflossen hätte und von den grossen treuherzig glänzenden Augen seiner beiden kleinen Begleiter, über deren runde Wollköpfe seine Hände gestrichen wären.
In all dem vorgetragenen Kunterbunt war entgegen der Hoffnung des Herrn Pastiz die weniger farbenreiche Erwähnung der Messe nicht untergegangen, sondern im Gegenteil laut und deutlich herauszuhören gewesen. Frau Motzle wartete mit der ihr eigenen Geduld das Ende des Redeflusses ab und sagte, ohne auf den Seifenschaum oder gar die runden Knopfaugen zurück zu kommen:
„Wir gehen hin, denn das ist keine Frage des Glaubens, sondern eine der Höflichkeit!“

Am späteren Nachmittag versammelten sich die Gläubigen unweit der schäbigen Gebäude, welche die Mission ausmachten und wo die zwei jungen Priester sowie Abbé Pierre je ein karges Zimmer bewohnten.
Herr Pastiz und Frau Motzle wussten nicht, wo der Abbé die Messe würde abhalten wollen und waren deshalb schon frühzeitig gekommen. Sie fanden ihn im Büro, wo vor dessen offener Tür noch immer eine Handvoll Ratsuchende im Hof hinter der Absperrung warteten. Der Abbé sass hinter seinem Arbeitstisch und setzte einem Mann in zerschlissener Kleidung den Inhalt einiger fleckiger Dokumente auseinander, die vor ihnen lagen.
Er blickte kurz über seine breitrandige Brille und hiess die beiden Ankömmlinge, sich draussen auf eine Bank zu setzen und auf ihn zu warten. Der Tonfall seiner Stimme klang ungewohnt geschäftlich und glich eher einem Befehl als einer Bitte. Herr Pastiz, der beim Hinausgehen nochmals einen Blick über die Schulter auf den Abbé geworfen hatte, setzte sich neben Frau Motzle auf die wacklige Holzbank.
Nach einer Weile, wärend derer die beiden Weissen schweigend nebeneinander sassen und den Wartenden und dem gedämpften Singsang ihres Gesprächs zuhörten, durchschnitt ein blechern klingendes Glöcklein das Gemurmel der Männer, die sich ohne dass sie die Ratschläge des Abbé in Anspruch noch hätten nehmen können, zerstreuten. Kurz danach trat der Abbé vor die Tür und verabschiedete den Mann mit den Dokumenten, der sich unter vielen Verbeugungen beim Abbé bedankte und diesem die Hand küsste.
"Die Messe findet gleich da drüben auf dem Feld statt", sagte der Abbé und lächelte mild, "geht schon vor, ich muss mich noch umziehen!"
Die Menschen kamen einzeln oder in kleinen Gruppen leise von allen Seiten her und da es nur eine unbefestigte Strasse gab, die vom Zentrum Pôs hierher führte, schienen die, die nicht auf ihr kamen, wie unvermittelt aus einer der dichten Buschhecken oder aus dem nahen Unterholz aufzutauchen. Dann standen sie weit verteilt da oder hockten sich in das gelbe, verbrannte Gras nieder und warteten schweigend, als kennten sie einander nicht. Die meisten waren Alte und Frauen mit Kindern an ihrer Seite und auf dem Rücken, arme Bauern, die ihr kärgliches Leben einigen steinigen Hirsefeldern abrangen.
Einige Männer, auch jüngere fanden sich ein, deren gottesfürchtige Inbrunst ihnen im Gesicht geschrieben stand. Auf den meisten Gesichtern allerdings und besonders auf denjenigen der Frauen konnte Herr Pastiz kaum etwas anderes als grosse Müdigkeit ausmachen, die dieser freudlosen Erschöpfung glich, welche Gefühle frisst und den Blick hohl macht und das Bewusstsein leer. Wenn es nicht die göttliche Leidenschaft war, was trieb sie dann hierher? Kein Gott, auch kein lieber Gott, kein Gebet oder Rosenkranz würde ihnen die Last der schweren Feld- und Hausarbeit abnehmen, die ihre glänzenden Körper unaufhaltsam binnen weniger Jahre austrocknete und knochig werden liess, sobald sie die Frau eines Mannes geworden waren. Hofften sie hier auf Erlösung oder wenigstens auf ein Versprechen dafür? War es der kurze Urlaub von der täglichen Rackerei, die sie am Ende eines solchen Tages in die Hände anderer weiblicher Familienmitglieder, einer schon grösseren Tochter, einer Schwester oder Schwägerin legen konnten? Oder schöpften sie tatsächlich Kraft aus dem Ritual, das ihnen die Fremden gebracht hatten und nicht besser war als das ihrer Ahnen. Dachten sie überhaupt darüber nach?

Endlich tauchte der Abbé auf, gefolgt von seinen beiden jungen Assistenten. Sie waren in weisse, bodenlange Gewänder gekleidet. Der Abbé schritt gemessenen Schrittes voran. Seine Hände umfassten eine dicke Bibel, die er mit ehrfürchtig gesenktem Kopf vor sich hertrug. Er legte sie auf einem kleinen bereit stehenden Tisch und schlug sie auf. Dann verharrte er einige Augenblicke, während seine beiden Helfer sich etwas zurückversetzt an seine Seite stellten. Die Menge schaute auf ihn. Diejenigen, die auf der Erde gehockt waren, hatten sich erhoben. Nur die ganz Alten, die ihre Kräfte für den Heimweg aufsparen mussten, blieben sitzen.
Der Abbé hob den Blick und schaute auf den Horizont. Die Messe begann.
Auch Frau Motzle hatte ihre Hände gefaltet und den Blick gesenkt. Herr Pastiz tat es ihr nach, so wie einer, der auf seinen Nachbarn schaut, weil er die Regeln nicht kennt. Wohl war er ein oder zwei Mal von den Mienkiewicz, bei welchen er zu Mittag ass, als er noch zu jenen Kindern gehört hatte, die mit einem Schlüssel um ihren Hals leben, zu einem Gottesdienst in der Dorfkirche von Zwingen mitgenommen worden, aber den Zugang zu dem Ritual oder gar zu einem lieben Gott hatte er nie gefunden.
Herr Pastiz schaute in die Runde der Menschen, die mit leeren Gesichtern und tonlosen Stimmen in den Eröffnungsgesang einstimmten, mit welchem der Abbé die Messe begann. Nur bei denjenigen, die bereits bei der Ankunft eine weit sichtbare Gottesfurcht im Ausdruck getragen hatten, war eine Veränderung eingetreten. Sie hatten ihr Gesicht himmelwärts gerichten und hielten ihre Augen fest verschlossen und ihre Hände krampfhaft gefaltet.
Allen Verheissungen, Tröstungen und Fürbitten zum Trotz hing etwas Bedrückendes wie ein Nebel über der Gemeinde. Es war nicht auf den erten Blick erkennbar, doch spiegelte es sich in den Mienen der Gläubigen und auch in der des Abbés wider. Der Abbé erschien wie ein anderer Mensch, den Herr Pastiz bisher noch nicht kennen gelernt hatte: Seine fröhliche Art, sein schelmischer Ausdruck, sein Witz und seine Liebe zum Leben, wo war all dies geblieben? Er schien konzentriert und doch wirkte er mehr freudlos als ernst. Sein Gebaren hatte sich demjenigen der armen Bauern angeglichen, die um ihn herum standen und in ebenso monotonem Gemurmel das Glaubensbekenntnis ablegten, wie er selbst es vortrug. Lag es am Ritual? War der Abbé im Messgewand derselbe wie der im bunten afrikanischen Kleid, der mit Charme und Scherzen junge Schwestern erröten liess und wer war der Abbé mit der schnittigen Schiebermütze, die er während seiner winterlichen Frankreichreisen trug?
Die flach am Himmel stehende Sonne hatte die Schatten länger werden lassen, als der Abbé zum Schluss zum gemeinsamen Vaterunser aufforderte. Bewegung kam in die lethargische Menge, so als bedeutete dieses die Erlösung von dem bedrückenden Etwas über ihren Köpfen. Frau Motzle stimmte in das Gebet ein. Die Gottesfürchtigen waren auf die Knie gesunken. Herr Pastiz schwieg. Die Menge murmelte. Amen. Der Abbé klappte die dicke Bibel zu.
Die Gläubigen zerstreuten sich in kleinen Gruppen oder einzeln einer nach dem andern und verschwanden im Unterholz, im Grasland oder über die unbefestigte Strasse so unauffällig, wie sie hergekommen waren. Herr Pastiz und Frau Motzle standen noch eine Weile ratlos da, bevor sie sich entschlossen, dem Abbé und seinen Gehilfen nachzugehen, die bereits hinter dem Tor zur Mission verschwunden waren. Sie setzen sich wieder auf die wacklige Bank und warteten.
Es war eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang als sie dem Capitaine begegneten, der mit einer alten Maschinenpistole über der Schulter auf dem Heimweg von der nahe gelegenen Kaserne war. Der Abbé begrüsste ihn wie einen alten Freund und stellte ihn Herrn Pastiz und Frau Motzle vor. Dem Capitaine rutschte die Waffe von der Schuler, die er an einem Lederriemen trug, als die Hand zum Gruss ausstreckte. Umständlich rückte er sie zurecht und lächelte verlegen. Die alte Uniform, vom vielen Waschen ausgebleicht, schlotterte ihm um den Körper und die Waffe – eine AK47 - schien so alt, dass sie aus der ersten Reihe der vorfunktionsfähigen Prototypen des Herrn Kalaschnikow hätte stammen können. Sein ovales Gesicht hatte weiche Züge und seine Augen, die nicht zu seiner zur Schau gestellten militärischen Seite passen wollten, waren klar und offen.
Herr Pastiz wusste, dass der Abbé keine grundsätzliche Abneigung gegen Uniformen verspürte, war dieser in jungen Jahren doch selbst Soldat oder vielmehr Feldprediger gewesen. Während dieser Zeit war er nahe an das Machtzentrum des noch jungen Burkina Faso herangekommen und hatte auch den revolutionären Thomas Sankara und dessen politischen Gefährten und späteren Widersacher Blaise Compaoré persönlich gekannt.
Obwohl kaum ein Dutzend Jahre vergangen waren, schien diese unruhige Zeit im Dunkeln zu liegen, denn der Abbé sprach nie darüber.

Frau Motzle wusste allerdings noch von ihren früheren Begegnungen mit dem Abbé einige Bruchstücke aus dessen Leben: Dass er die Eltern früh verloren und er sich um seinen einige Jahre jüngeren Bruder Fernand gekümmert hätte, bevor ihm über einige Umwege und mit Hilfe katholischer Geistlicher aus dem Elsass, unter anderen auch des Monsieur le Curé des Heimatdorfs der Frau Motzle, ein Stipendium gewährt und das Studium der Theologie in Frankreich ermöglicht worden war.
Sie hatte ihn einige Jahre zuvor in Gilungu, einer Region nördlich von Ouagadougou besucht, wo er vor seiner Versetzung in's Buschland um Pô gelebt hatte. Mit einem eigenen Koch, der nicht nur einfach etwas Essbares auf den Tisch bringen konnte, sondern ein begnadetes Talent war. Dieser hätte ihn allerdings verlassen, um in der Herzkammer Burkina Fasos, nämlich in der Hofküche des Monsieur le Président Campaoré zu dienen und Karriere zu machen.
"Ach, dort war das Land schön und er war glücklicher als hier", schloss Frau Motzle ihren Bericht.

Ob er denn nicht mithalten wolle, fragte der Abbé den Capitaine und wies auf den Grilltisch, der vor der Bretterbude stand, auf der auf einem verwitterten Stück Holz "Chez Jeanette" stand.
Der Capitaine schielte nach den duftenden Perlhühnern, machte einige Ausflüchte, welche die Höflichkeit gebot, bevor er händeringend einschlug und um einige Minuten bat, in welchen er sich umziehen und die Waffe im Haus unter Verschluss bringen wollte. Der Abbé schien wieder gänzlich unter den Irdischen zu sein und war in bester Laune, als habe er am Ende des Gottesdienstes mit seinem Messgewand nicht nur die für das Ritual unabdingbare priesterliche Demut, sondern auch ein anderes Ich abgelegt. Mit einem schalkhaften Lachen stimmte er dem Vorhaben des Soldaten zu und hiess Herrn Pastiz und Frau Motzle, es sich an einem der niedrigen Tische auf tiefen, hölzernen Fauteuils bequem zu machen. Ein junges Mädchen brachte eisgekühltes Sobebra [Biermarke in Burkina Faso], das es einem schiefen von einem Dieselgenerator gespeisten Kühlschrank entnommen hatte, der laut vor sich herschnurrte.
„A votre santé“, rief der Abbé und nahm einen tiefen Schluck, den er mit einem glücklichen Seufzer abschloss. Die Kohlensäure prickelte in seiner Nase und trieb ihm eine Träne in die Augen, die er mit dem Rücken seiner freien Hand abwischte.
„A la votre!“ sagte auch der Capitaine, der in einem traditionellen Kleid zurückgekommen war.
Herr Pastiz fühlte sich wie bei einer Premiere: Ein Soldat, ein Priester und gebratene Perlhühner als Tischgenossen unter freiem Himmel am Ende der Welt. Er hob seine Flasche und stiess mit dem Abbé und dem Capitaine an.
Das Tageslicht reichte gerade noch, um zu erkennen, was Jeanette auf der grossen Platte angerichtet hatte, die sie mit gurgelnder Fröhlichkeit auf den Tisch stellte. Die Perlhühner dufteten herrlich und das Wasser lief allen im Munde zusammen.
"Allons-y, attaquons les poulets!" rief der Abbé. Er rutschte nach vorne auf die Stuhlkante und griff als erster in die Platte. Die andern liessen sich nicht zweimal bitten und fischten jeder mit den Fingern ein Stück aus der würzigen Sauce aus Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Mayonnaise. Vielleicht waren es die einfachen Speisen, die bislang auf den Tisch gekommen waren, vielleicht auch der friedfertige Ort und die Gesellschaft, der Appetit oder das schnell schwindende Abendrot am Horizont des Graslands, was in Hern Pastiz die Überzeug wachsen liess, er hätte noch nie in seinem Leben Huhn in einer so köstlichen Zubereitung genossen. Der Abbé hatte wirklich nicht zuviel versprochen, und wenn die armen Hühner gewusst hätten, welche transzendente Sphären sie im Verlauf ihres letzten Tages erreichen würden, hätten sie der Köchin mit Sicherheit weniger gegrollt, als diese ihnen den Hals umdrehte.
Herr Pastiz leckte die Sauce von seinen Fingern, als die Nacht so plötzlich vom Himmel fiel, als wäre sie ein riesiger schwarzer Mantel, der über das Grasland geworfen worden wäre.
Eine kleine Pfunzel an der Bretterbude warf einen spärlichen Schein auf einen kleinen Umkreis, der gerade ausreichte, um die ein- und ausgehenden Leute als dunkle Schatten auszumachen. Der Tisch der Esser aber stand in völliger Finsternis.
Die Unterhaltung war dem zum Trotz immer lebhafter geworden. Lachen und Kichern stiegen über dem Tisch in die mondlose Nacht hinauf. Der Abbé hatte soeben zu dem Witz über den Bauern angesetzt, der von seinem ersten Besuch in Ouagadougou in sein Dorf zurückgekehrt war, als ein zischendes "pfft" das Mädchen verriet, das lautlos wie eine Katze durch die Dunkelheit an den Tisch geglitten war, und die Flaschen der nächste Runde Bier öffnete.
"Hört zu", sagte der Abbé und kicherte erneut, "der Bauer kommt zurück in sein Dorf und erzählt, wie freundlich die Menschen in der Stadt seien. Er wäre mit seinem Karren der langsamste gewesen und doch hätten sie an jeder Strassenkreuzung auf ihn gewartet, und wären erst wieder losgefahren, als er sie erreicht hätte." Bei diesen Worten lachten der Capitaine und der Abbé laut auf.
"Der arme Mann hatte noch nie Ampeln gesehen", erläuterte der Abbé unter Glucksen den begriffstutzigen Weissen die Pointe.

Herr Pastiz legte den abgenagten Knochen sorgsam tastend vor sich auf den Tisch, als er ein leises Schnauben an seiner Wange verspürte. Neben und hinter ihm raschelte und knackte es. Lag nicht bereits ein kleines Häufchen Knochen vor ihm auf dem Tisch? Er tastete danach, aber da war nichts.
"Hunde", rief der Abbé belustigt auf die besorgte Frage des Herrn Pastiz, dass irgendwas um den Tisch schliche und an sein Ohr schnaube.
Wieviele es waren, konnte Herr Pastiz nicht erkennen. Aber sie waren vorsichtig und scheu, kamen den Menschen nie zu nahe, denn sie wussten, dass ihnen von dieser Seite häufig nur Schläge drohten.
Herr Pastiz ertastete ein weiteres Stück aus der Schüssel. Der Form nach musste es ein Unterschenkel sein. Die fette Sauce tropfte von seinen Fingern und hinterliess – wie er am folgenden Tag feststellte – orangerote Flecken auf seiner hellen Hose. Er nagte das Fleisch vom Knochen und hielt diesen seitlich von sich in’s Dunkel. Augenblicklich spürte er den warmen Atem eines wohl ziemlich grossen Tieres, das unmittelbar neben ihm auf neue Beute gewartet haben musste. Der Hund nahm den Knochen vorsichtig und sanft aus der Hand, als wäre er der beste Freund des Herrn Pastiz und wüsste um die Kraft seiner Kiefer und Zähne, mit welchen er seine kleine Beute zermalmte. Letzten Endes fanden alle Teile der Freude spendenden Vögel ihren segensreichen Weg in einen der vielen Mägen, die sich – eingeladen oder nicht – um die Schüssel versamelt hatten.

Der Abbé beklagte sich nicht lange nachdem der letzte Knochen abgenagt und unter leisem Knacken im Rachen eines Hundes verschwunden war, über die nächtliche Kühle, die plötzlich in seine Glieder gefahren sei. Und auch der Capitaine gab mit schwerer Zunge zu bedenken, dass er schon vor Tagesbeginn zur Kaserne aufbrechen müsse und bedankte sich ein weiteres Mal wortreich für die Einladung, bevor er den Heimweg antrat, den zu finden Herr Pastiz für unmöglich hielt, aber was dennoch geglückt sein musste.
Owohl die Temperaturen kaum unter 25 Grad Celsius gefallen waren, würde die nächtliche Kühle dem armen Abbé ziemlich zusetzen und ihn dazu zwingen, auch in der glühenden Hitze des Tages einen Wollschal und eine Mütze aus demselben Material zu tragen, während an seiner Nase ein stetiger Tropfen hängen würde.
Dies aber wusste zu diesem Zeitpunkt, als die Tafel aufgehoben wurde und die Hundemeute sich in einiger Entfernung in Sicherheit gebracht hatte, noch niemand.
Was Herrn Pastiz und Frau Motzle anbelangt, so wurde die Nacht die beste der ganzen Reise, denn der Schlaf – Sobebra sei Dank – verschloss ihre Ohren und weder die Gewehrsalven noch das Mörserfeuer des nächtlichen Manövers, das unweit von Pô abgehalten wurde, noch die Hitze in ihrem Schlafbunker konnten diesem etwas anhaben.


Permalink  | 0 Kommentare  | kommentieren

...bereits 106 x angeklickt
Theme Design by Jai Nischal Verma, adapted for Antville by ichichich.