Dieser Tage haben wir mit der Grobplanung unserer nächsten Reise begonnen, die uns durch Yunnan (Südwestchina) und Myanmar führen soll. Bis dahin dauert’s zwar noch etwas, aber es kann nicht schaden, bereits heute einen Blick auf Gepflogenheiten und Sitten der Leute zu werfen, die man besuchen will.

Die folgenden Regeln sollte man beachten, wenn man zu Besuch bei den vielen kleineren Völkern weilt, die in Yunnan ihre Heimat haben. Die Komik des Wortlauts einiger Verhaltensregeln liegt nicht in der Sache selbst, sondern ergibt sich aus der Übersetzung aus dem Chinesischen.

Meine persönlichen Favoriten sind die Nr. 8, 9 und 10, die 19 sowie und besonders die 22, 23 und 24!

Tabus der ethnischen Gruppen
(Dinge, die man besser tut oder laesst, anlaesslich eines Besuchs in den Regionen der ethnischen Gruppen)
Es ist gut zu wissen, was man tun oder lassen sollte, um Missverstaendnisse zu vermeiden oder sich Aerger zu ersparen:

1. Fassen Sie nicht die Koepfe oder den Kopfschmuck kleiner Kinder, junger Moenche oder junger Maedchen an.

2. Ziehen Sie ihre Schuhe beim Besuch eines Bambus Hauses der Dai (Thai) oder Tempels aus.

3. Wenn Sie in einem Dai Haus uebernachten sollten, ist es besser mit den Fuessen (und nicht mit dem Kopf) in Richtung Schlafzimmer des Gastgebers zu liegen. Ausserdem ist es sehr unhoeflich, Frauen auf die Fuesse zu treten.

4. Wenn Ihnen jemand eine Schuessel Reis reicht, sollten sie diese mit beiden Haenden in Empfang nehmen. Fuellen sie ihre Schuessel nicht zu voll.

5. Sprechen Sie nicht ueber Schweinefleisch, wenn sie in einem moslemischen Restaurant essen. Gebrauchen sie das Wort "stark" anstatt "fett".

6. Treten und beruehren Sie keine religioesen Symbole.
7. Es ist inakzeptabel, jungen Maedchen Geschenke zu machen.

8. Betreten Sie nicht das Schlafzimmer der Eltern muetterlicherseits Im Haus sollte man nicht pfeifen oder einen Hut oder Muetze tragen.

9. Wenn Sie beides gleichzeitig tun sollten, werden Sie in einen Bussard verwandelt werden und von den Goettern gezwungen, ihr Leben lang Pflaumen zu essen.

10. Gebrauchen Sie ihre Ess-Staebchen niemals um damit an den Rand ihrer Schuessel zu klopfen, eine Katze, Hund oder Maus zu schlagen. Fuer eine vollstaendige Anleitung, mit welchen Gegenstaenden Sie welche Tierarten schlagen duerfen, beratschlagen Sie bitte unsere Web-Seite www.customsandanimalcruelty.com

11. Es ist nicht ratsam ueber Sexualitaet oder damit einhergehende Themen zu diskutieren, es sei denn Sie reissen einen aeusserst lustigen Witz.

12. Es wird als unhoeflich empfunden, wenn Sie sich auf den heiligen Stuhl eines Unsterblichen setzen.

13. Uebertreten Sie nie den dreieckigen Rahmen ueber der Feuerstelle oder haengen ihre Kleider daran oder ruhen ihre Fuesse darauf aus.

14. Falls Sie an einem tibetischen Fest teilnehmen sollten, ist es ratsam als Gastgeschenk, dem Gastgeber gleich einen "Hada" Schal zu ueberreichen.

15. Wenn Ihnen jemand zuprostet, sollten Sie entweder wirklich einen guten Schluck nehmen oder zumindest einen kleinen. Es wird als aeusserst unhoeflich empfunden, wenn Sie entweder das Trinken verweigern oder sogar vor den Augen des Gastgebers wieder ausspucken. Wenn Sie meinen, genug getrunken zu haben, sollten Sie der Person, die Ihnen gerade nachschenken will, zum Ausdruck geben, dass Sie genug haben, nicht aber sagen "ich will nicht mehr".

16. Setzten Sie sich niemals in die Mitte einer (Tuer-) Schwelle.

17. Spucken Sie niemals in eine offene Feuerstelle.

18. Wenn Ihnen von einer jungen Bai waehrend einer "Drei Gaenge Tee Zeremonie" eine Teetasse gereicht wird, sollten Sie auch diese mit beiden Haenden entgegen nehmen oder aus Hoeflichkeit stehen.

19. Es ist unhoeflich einer Wa-Familie Chili-Schoten, Huehnereier oder lebende Wuermer zu schenken.

20. Falls Sie ein Feuer schueren sollten, tun Sie immer zuerst die Wurzeln hinein, nicht anders herum.

21. Sprechen Sie niemals ueber ihre Traeume der letzten Nacht, besonders wenn darin die Tochter des Gastgebers vorkam.

22. Es ist unhoeflich, bei Eintritt eines Raumes das Kleinkind in die Arme zu nehmen und damit wie mit einem Basketball umzugehen.

23. Es ist ebenso unhoeflich, sich selber einzuaeschern bevor man offiziell vorgestellt wurde.

24. Ebenso sollte man darauf verzichten, Mitglieder der Gastgeber-Familie zu verspeisen, auch wenn sie nach traditionellem Rezept zubereitet wurden.


Gefunden auf: http://de.yunnantourism.com/

weiter mit Frau Han


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sturmfrau am 31.Jan 13, 15:24  | Permalink
Sie retten mir den Tag, lieber Pastiz.
pastiz am 31.Jan 13, 15:36  | Permalink
Immer gerne liebe Frau Sturmflut! Ich kann Ihnen vesichern - meiner ist's heute auch nicht. Da haben wir etwas gemeinsam.
Aber diese Regeln werde ich mir merken! Komme, was wolle.
sturmfrau am 31.Jan 13, 15:39  | Permalink
Nicht, dass Sie am Ende noch lebenslang Pflaumen essen müssen, so als Bussard. Köstlich. Beides.
tama am 12.Feb 13, 20:08  | Permalink
Ach du liebe Zeit! Ich muss jetzt einfach mal so blöd fragen: Ich gehe davon aus, dass diese Regeln allesamt wirklich ernst gemeint sind? (Kulturkreis und so, da bin ich manchmal ein bisschen weniger eckfähig...)
pastiz am 13.Feb 13, 09:58  | Permalink
Also ich denke, dass im Grundsatz diese Regeln durchaus ernst gemeint sind. Dafür sprechen die Regeln 1, 2, 4, 6, 7, 11, 12 und der Umstand, dass sie auf einer zumindest offiziell erscheinenden Seite zu finden sind. Es scheint, dass bei diesen Regeln eine Mischung aus chinesisch-buddhistischer und chinesisch-animistischer Tradition vorliegt. In ganz Südostasien leben noch viele kleinere Völker (häufig chinesischer Provenienz), die nicht oder nur äusserlich als Buddhisten bezeichnet werden können. Sie leben ihre animistischen Traditionen weiter. Und da kann es schon einmal vorkommen, dass uns deren Sitten merkwürdig oder gar abergläubisch erscheinen. Aber umgekehrt lehrt uns ein Blick auf die westlichen Sitten, dass „wir“ auch nicht so nüchtern und abgeklärt daherkommen (die Heiligen, Auferstehung nach dem Tod, die Vorstellungen vom Paradies, das Händeschütteln bei der Begrüssung, das Zusammenstossen der Gläser in geselliger Bier- oder Weinrunde und aktuell – werfen wir doch einmal einen Blick in den Vatikan, wo alte Männer in schwarzen, roten und violetten Nachthemden und karnevalistischen Mützen herumlaufen u.v.a.m.).
Und es ist ja auch so, dass einem alles merkwürdig vorkommt, dessen Hintergründe einem nicht bekannt sind.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass manche Regeln aus animistischer Tradition (z.B. Nr. 8 und 9) aus Überlieferungen in einer nicht chinesischen Sprache stammen und zuerst in’s Chinesische und dann in’s Deutsche übersetzt worden sind. Und da ist bei solchem Ergebnis – glaube ich – Schmunzeln nicht verboten.
Ich hoffe, ich bin jetzt nicht allzu sehr schulmeisterlich herübergekommen (... und "blöd gefragt" haben Sie ganz bestimmt nicht, im Gegenteil, ich danke für Ihre Wortmeldung).
feuerlibelle am 13.Feb 13, 11:01  | Permalink
andere länder, andere sitten – das war immer schon so und ich bin sicher, dass es auch in zukunft so bleiben wird,– zumal die globalisierung in manchen herrenländern vordergründig das nationale bewußtsein aus dem tiefschlaf gerüttelt hat.

als mein bube vor drei jahren einige zeit in china, japan, südkorea und ozeanien weilte, musste er vor seiner abreise ein mehrwöchiges benimm-dich-seminar absolvieren, damit er mit den jeweiligen nationalen gepflogenheiten vertraut gemacht wird. und das hat seinen aufenthalt in den genannten ländern sehr erleichtert. sagt er heute noch.

ganz liebe grüße und viel spaß bei der reiseplanung :-)
pastiz am 13.Feb 13, 12:15  | Permalink
Da haben Sie ganz Recht, liebe Frau Feuerlibelle. Es hat ja auch etwas Herzloses, wenn die Kulturen sich verlören und alle Menschen einheitlich daherkämen. Diese Benimm-Seminare sind sinnvoll, besonders, wenn man geschäftlich unterwegs ist. Auch in diesem Bereich zählt die Höflichkeit und die Sympathie eine sehr grosse Rolle für das Gelingen eines Abschlusses oder so.
Übrigens: Burma/Myanmar ist von der Planung gestrichen. Der Hype ist zu gross, die Infrastruktur des Landes zu schwach und zuviel unserer Ausgaben flössen in die Taschen der Militärs. Liebe Grüsse nach Wien!
c17h19no3 am 13.Feb 13, 12:44  | Permalink
einiges ist wirklich interessant, anderes einfach nur sehr lustig.

ich hätte mal eine frage: in welches tier verwandle ich mich, wenn ich jemanden würmer schenke und basketball mit seinem kind spiele? oder muss ich mich dann zur strafe selbst einäschern (ich bin sicher, es gibt auch dafür eine anleitung)? ;)
pastiz am 13.Feb 13, 17:43  | Permalink
Das liesse sich ganz leicht herausfinden, liebe Morphine - kommen Sie einfach mit: Ich werd' dann alles in Bild, Ton und Text dokumentieren und hier online stellen. Und natürlich im schlimmsten Fall einen Feuerlöscher zücken - versprochen!
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