Ich war ob dieses Vorschlags ein wenig überrascht, wenn nicht sogar etwas aus der Balance geraten, schien er mir doch ein gewagtes Unterfangen, was wiederum für Aussenstehende befremdlich erscheint. In diesem Moment, da ich in seinen Augen erahnte, wie wichtig diese Unternehmung für ihm sein musste, wurde mir bewusst, wie wenig ich von meinem eigenen Sohn wusste. Immerhin hatte ich vor Jahren Frau und Kind(er) verlassen, um mich als Alimentenzahler und Vierzehntäglicher-Wochenend-Papa eher schlecht als recht um die beiden Sprösslinge zu kümmern und gleichzeitig Kollateralschäden grösseren Ausmasses zu verhindern. Damals war er knapp fünf Jahre alt, heute ist er 29 und dazwischen haben wir kaum eine Minute alleine zusammen verbracht.
Ich blickte ihn von der Seite an und fragte Du willst also so eine Vater-Sohn-Tour machen?
Seine Antwort war kurz und einfach Ja, am besten in der Zeit zwischen Mitte und Ende Januar.
Oh, hhm! sagte ich und Kann man machen!
Ich schob die Vorbereitungen der Reise wie immer auf die lange Bank, kaufte mir dennoch einen Reiseführer, den ich zur Seite legte und mit Frau Motzle den Flieger bestieg, um auf Santo Antao, einer der Kapverdischen Inseln steile Kraterwege zu Vulkanen hinauf- und hinunterzusteigen, auf unwegsamen Pisten durch Halbwüsten zu fahren und dem Donnern der atlantischen Wellen auf den schwarzen Strand eines abgelegenen Fischerdorfes zu lauschen (dies aber ist eine andere Geschichte). Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr in Europa, sondern kaufte sich einen kleinen Cafe Racer auf Bali, wo er sich ein Haus für die Wintermonate gemietet hatte, und sich Rezepte für seine nächste Gastrosaison ausdachte.



Einen Plan hatten wir nicht, eine wenn auch nur rudimentäre Absprache ebenfalls nicht. Immerhin gelang es mir noch am Abend vor der Abreise nach Cabo Verde, einen Flug zu buchen. Der Entschluss für die gemeinsame Reise, ein elektronisches Ticket und das Datum unseres Treffens in Tokyo waren nun die drei Enden unserer Wünschelrute, die uns auf eine ungewöhnliche Reise führen sollte.

weiter mit und ... Abflug


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terra40 am 04.Feb 17, 17:34  | Permalink
Sicherlich wird das eine spannende Geschichte! Gruß, T.
pastiz am 05.Feb 17, 15:05  | Permalink
Also für mich, lieber Herr Terra, war es bestimmt eine spannende Geschichte und ich hoffe, ich kann sie auch so erzählen, dass es auch für die Leser eine solche ist. Ich werkle gerade am nächsten Beitrag. Einen lieben Gruss zurück.
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